Selbstgeschmiedet

Die Fußfesseln, die wir uns selbst bauen

Nicht jede Fußfessel kommt aus der Familie.
Manche schmieden wir selbst – und zwar überraschend früh.

Beispiel 1: Der Satz, der zum Gesetz wurde

Ein Kind hört: „Du bist halt nicht so kreativ wie dein Bruder.“
Mit 35 sagt es: „Ich bin nicht der kreative Typ.“
Selbstbild = Fessel.

Beispiel 2: Die Friedensmacherin

Als Kind lernt sie: „Widerspruch macht Ärger.“
Mit 50 kann sie in keinem Gespräch „Nein“ sagen.
Sie denkt, sie sei harmonieliebend.
In Wahrheit ist sie an ein altes Gefahrenradar gefesselt.

Beispiel 3: Der Unsichtbare

Ein Junge, der gelernt hat, dass seine Bedürfnisse zu laut, zu viel, zu kompliziert sind, entwickelt eine brillante Fähigkeit: Er spürt, was andere brauchen – und löscht sich selbst aus.
Mit 30 wundert er sich, warum Beziehungen nie „ihn“ kennen.

Beispiel 4: Der Übererklärer

Wer als Kind oft missverstanden wurde, erklärt sich als Erwachsener endlos.
Nicht weil er unsicher ist – sondern weil die alte Erfahrung sagt: Wenn ich mich nicht erkläre, verliere ich etwas.


Selbstgeschmiedete Fesseln haben einen Vorteil:
Man ist der Schmied.
Und damit auch derjenige, der das Schloss öffnen kann.

Diese Fesseln sind am leichtesten zu lösen –
weil wir sie einst selbst gebaut haben.