Ich stelle mir manchmal eine einfache Frage:
Würde ein Fisch auf die Idee kommen, nach dem Wasser zu fragen?
Vermutlich nicht.
Nicht weil Wasser unwichtig wäre.
Sondern weil es immer da ist.
Es trägt ihn.
Es umgibt ihn.
Es ist so selbstverständlich geworden, dass es gar nicht mehr auffällt.
Vielleicht geht es uns Menschen ganz ähnlich.
Wir bemerken den Boden oft erst, wenn wir stolpern.
Wir denken über Luft nach, wenn sie knapp wird.
Wir schätzen Gesundheit meist erst, wenn Krankheit an unsere Tür klopft.
Und wie oft bemerken wir erst nach Jahren, welche Menschen unser Leben getragen haben?
Das Selbstverständliche ist häufig das Unsichtbarste.
Nicht weil es verborgen wäre.
Sondern weil wir mittendrin leben.
Vielleicht gilt das sogar für unsere Gedanken.
Unsere Überzeugungen.
Unsere Gewohnheiten.
Unsere Kultur.
Wir halten vieles für selbstverständlich, weil wir nie außerhalb davon gestanden haben.
Erst wenn wir einem anderen Menschen begegnen, einer anderen Kultur oder einer neuen Sichtweise, merken wir plötzlich:
Es gibt auch andere Möglichkeiten, die Welt zu betrachten.
Vielleicht ist genau das der Sinn echter Begegnungen.
Nicht den anderen zu verändern.
Sondern das Wasser sichtbar werden zu lassen, in dem wir selbst schwimmen.
Vielleicht beginnt Erkenntnis nicht mit neuen Antworten.
Vielleicht beginnt sie mit einer neuen Frage.
Was ist in meinem Leben so selbstverständlich geworden, dass ich es gar nicht mehr wahrnehme?
Vielleicht ist genau dort der größte Schatz verborgen.
Nicht am Ende einer langen Reise.
Sondern mitten in dem, was mich jeden Tag umgibt.
Wie der Fisch im Wasser.
Erst wenn wir beginnen zu staunen, entdecken wir, dass das Gewöhnliche oft das Außergewöhnlichste ist.



